Sonntag, 25. September 2016

Swisscables reference IC direct oder „Klingen Kabel mit Luft auch luftiger“

Ein Beitrag von Rainer Götz

Swisscables fertigt seine Kabel in Entlebuch nahe des Schweizer Nationalparks und des UNESCO-Biosphärenreservats. Eine logische Verbindung für die Verwendung von natürlichen Materialien ist somit schon vorgegeben.

Swisscables hat sich intensiv mit dem technischen Aufbau von Lautsprecher-, NF- und Netz-Kabeln beschäftigt und dabei im besonderen die auftretenden MDI-Verzerrungen durch die verwendeten Polymerisolatoren bei der Kabelherstellung im Auge.

Die Schweizer umgehen MDI-Verzerrungen durch die Verwendung von Leitern aus Naturfasergewebe. Luft dient somit weitestgehend als Dielektrikum (elektrisches Feld). Von anderen Herstellern bevorzugte Materialien wie Teflon werden hier aus klanglichen Gründen vermieden. Ebenso wird der Einsatz von Metall auf ein Mindestmaß reduziert.

Wer sich über die technischen Eigenschaften informieren will, den verweise ich auf das „whitepaper“, zu finden auf der Website des Herstellers oder den Test im Internet-Highend-Magazin „HiFi-Statement“ unter http://www.swisscables.com/reviews/german.pdf.

Beim Auspacken des Kabel fällt in der Tat zunächst auf, dass die mir von Oliver Wittmann zur Verfügung gestellte asymmetrische NF-Verbindung des Typs reference IC direct sich – im Gegensatz zur optischen Erscheinung – sehr leicht und flexibel präsentiert. Optisch veredelt wird das Kabel von Cinchsteckern mit Holzummantelung. Nussbaum, wenn ich richtig sehe. Die Laufrichtung ist eindeutig gekennzeichnet, ebenso links und rechts durch dezente rote oder schwarze Ringe. Das reference IC direct ist aus klanglichen Gründen ungeschirmt aufgebaut, was der Herstellerempfehlung entspricht. Es ist aber auch eine geschirmte Ausführung unter der Bezeichnung reference IC protect lieferbar, die Swisscables in erster Linie für den Einsatz im Phonobereich empfiehlt.

Wegen der für enge Buchsenabstände leider zu groß geratenen Cinchstecker konnte ich das Kabel nur für zwei unterschiedliche Verbindungen problemlos einsetzen. In meiner Zweitanlage von einer passiven Concordant Audio Excelsior Vorstufe zu einer Mark Levinson Endstufe ML 29. Es ersetzte hier ein etwa gleich teures Kabel eines süddeutschen Herstellers. Das Swisscables klang in der Tat unwahrscheinlich offen, frei und gelöst, wie ich es in dieser Kombination noch nicht gehört hatte.

Im Prinzip eine klare Empfehlung. Allerdings war – wahrscheinlich bedingt durch die fehlende Abschirmung – ein ganz leiser Brummton wahrnehmbar. Wie bei allen ungeschirmten Kabel kann man versuchen, durch geschickte Aufstellung (also weg von Netzkabeln, Trafos usw.) Nebengeräusche zu beseitigen. Sonst wäre der Umstieg auf die geschirmte Variante eine Option. Ein guter Fachhändler wie Oliver Wittmann ist hier ein wichtiger Partner. Er kennt aus seinem riesigen Erfahrungsschatz die richtigen Montageoptionen oder – wenn es gar nicht geht – schlägt den Austausch auf eine geschirmte Variante vor.

Der zweite Versuch war eigentlich etwas unfair. Ich hatte vor einiger Zeit die Möglichkeit, ein extrem teures japanisches Silberkabel für einen gerade noch für mich bezahlbaren Preis gebraucht zu erstehen. Als Neuware hätte ich mir dieses Kabel mit seinen Reinsilberleitern und versilberten Steckern nie leisten können. Gegen diese Verbindung habe ich dann eine Woche lang das Swisscables reference IC direct gehört, und ich muss sagen, dieses mit EUR 1.075,- für die 1,5 Meter-Verbindung in der Preisliste stehende asymmetrische NF-Kabel schlägt sich ganz hervorragend. Wieder fällt das offene und freie Klangbild in Verbindung mit der Präzision bei der Darstellung von Instrumenten und Stimmen auf. Das war mit geringen Abstrichen – je nach Musik subjektiv irgendwo zwischen 10 und max. 20 Prozent – verdammt nah an dem teuren Silberkabel dran. Das reference IC direct spielt also tatsächlich in der „Ersten Liga“. Wenn man sich vergegenwärtigt, welche Preise international für Top-Kabel aufgerufen und bezahlt werden, bin ich fast versucht, hier sogar von einem Sonderangebot zu reden.

Auch hier gilt wieder: Viel Sorgfalt beim Verlegen des Kabels hinter der Anlage verwenden. Es kann unter Umständen wieder zu Einstreuungen und einem leichten, kaum hörbaren „Brumm“ kommen. Oliver Wittmann hilft im Zweifelsfall weiter und leiht auch ein Kabel mal über ein Wochenende aus. Sie müssen dann auch keinen Artikel darüber schreiben, so wie ich es wollte ;-)

Fazit: Hochinteressantes, noch bezahlbares Kabel. Nicht für Alle und Jeden (Stichwort großer Stecker, fehlende Abschirmung). Aber dort, wo es passt, da spielt es ganz vorne mit und kann Verbindungen, die ein Mehrfaches von Swisscables kosten, arg in Bedrängnis bringen.

Keine Kommentare:

Kommentar posten