Samstag, 13. April 2019

YG Acoustics Workshop/Event

Ein Bericht von Rainer Götz

In meinem audiophilen Leben gab es einige Vorführungen, die für mich prägend waren. Mitte der 70er-Jahre war da ein Elektrostat von Stax aus Japan. Nein, kein Kopfhörer, Stax baute zur damaligen Zeit auch Lautsprecher und begründete mit dem ESL-F81 meine Vorliebe für elektrostatische Lautsprecher, weshalb ich seither mit diversen Quad-ESL höre.

Dann war da die riesige Infinity Reference Standard. Vorgeführt aus Platzgründen im Saal einer katholischen Kirchengemeinde. Oder eine frühe Version der von Oliver Wittmann so geschätzten Avantgarde Acoustic Duo-Serie, die ich das Vergnügen hatte, bei der legendären Penta-Messe am Flughafen Heathrow zu hören. Nach Abklingen der Musik klatschten seinerzeit die Zuhörer euphorisch Beifall …

Oder die Dynamik des legendären, nicht immer verfärbungsfreien Klipschhorns, das mit Rockmusik einem die Haare zu Berge stehen ließ. In diese Reihe der außergewöhnlichen und aus dem Rahmen fallenden Präsentationen gehört für mich seit dem 30. März 2019 auch der amerikanische Lautsprecherhersteller YG Acoustic.

Oliver Wittmann und Markus Nolden stellten im Rahmen einer zweitägigen Veranstaltung neben der Carmel 2, die in Verbindung mit einer Brinkmann-Kette im ersten Studio direkt am Eingang lief, den neuen YG Acoustics Hailey 2.2 Lautsprecher vor. Unterstützt wurden Sie dabei nicht nur von Kerry St. James, seines Zeichens Marketing and Sales Director von YG Acoustics, und Sinisa Kovacevic, der neben YG Acoustics u.a. auch die Interessen von Nagra vertritt, sondern auch vom Mastermind von YG Acousic, Yoav Geva.
Als Programmquellen dienten neben einem als CD-Laufwerk betriebenen T+A MP 3100 HV der Thales TTT Slim2, hier mit dem EASY Tonarm und dem EMT HSD 006 Tonabnehmer. Phonovorstufen von Tom Evans bzw. Whest und dem „cost-no-object“-Vorverstärker Nagra HD PRE. Für die Digital/Analog-Wandlung war der Nagra Tube DAC D/A verantwortlich. Zwei Nagra Classic Amp in Monobetrieb trieben dann letztendlich die Hailey 2.2. zu Höchstleistungen.

Ganz kurz zur Hailey: Trotz den Maßen 122 x 33 x 54 cm wirkt der Lautsprecher ausgesprochen elegant und passt sich hervorragend allen möglichen Wohnumgebungen an. Die Leute von Porsche Design haben sich mit Erfolg um die optische Erscheinung gekümmert. Jeder Lautsprecher bringt mehr als stattliche 76 kg auf die Waage. Weshalb? Nun, das Gehäuse besteht aus miteinander verschraubten und intensiv verstrebten Flugzeugaluminiumplatten. Die Hailey 2.2 ist ein Lautsprecher nach dem geschlossenen Prinzip, also kein Bassreflex oder Transmissionline, und soll den ganzen Hörbereich bis hinunter zu 20 Hz und über 40 kHz im Hochtonbereich abdecken.

Verstärkerleistungen ab 20 Watt reichen zum Betrieb aus. Entscheidend ist die Stabilität der Verstärkers, weniger die Ausgangsleistung. Auch ein Sugden-Vollverstärker von 2 x 23 Watt in Class-A-Schaltung reicht nach Aussage von Sinisa Kovacevic vom Gaudios-Vertrieb in Graz völlig aus.

Um Resonanzen zu verhindern, sind alle YG-Lautsprecher maximal aufwändig aus den in großen Blöcken angelieferten Formteilen herausgefräst. Yoav Geva setzt dabei auf feinste deutsche Maschinenbaukunst und legt bei der Steuerung und CNC-Programmierung immer noch selbst Hand an. Neben dem Gehäuse sind auch Mittel- und Tieftöner und deren Membranen aus Aluminium gefräst und gedreht (!) und dabei trotzdem federleicht und zugleich verwindungsfrei stabil. Resonanzen haben hier in der Tat nicht die geringste Chance.

Als Hochtöner kommt eine Seidenkalotte mit einer patentierten Verstrebung aus Aluminium zum Einsatz. Damit ist die Kalotte in der Form härter als Berillium und hat gleichzeitig die Klangvorteile einer weichen Seidenkalotte. Alle Lautsprecher sind Eigenentwicklungen von Yoav Geva. Es gibt so viele Besonderheiten und technische Innovationen, nicht nur bei der Hailey 2.2, sondern bei allen YG-Lautsprechern, dass es hier den Rahmen sprengen würde, alle vorzustellen. Die äußerst informative Website des Herstellers sei allen Interessenten nachdrücklich empfohlen: https://www.yg-acoustics.com/.

Soviel zum technischen Hintergrund, den man aber, wenn die Musik ertönt, rasch vergisst. Denn das, was hier aus den Boxen flutet, gehört mit Sicherheit zum Besten, was der Weltmarkt zu bieten hat. So offen, frei und gelöst hat man z.B. „Fever“ von Elvis Presley oder „And I love her“ von den Beatles noch nie gehört. Dies, obwohl beide Titel ja hinlänglich bekannt und „im Ohr“ sind.

Eine Pianosonate von Franz Schubert, hier mit Maria Joao Pires, lässt Zeit und Raum (und Lautsprecher) vergessen. Das Piano steht glaubhaft im Zimmer, alles andere wird zweitrangig. Die Aufnahme der Begegnung zwischen Eric Clapton und Wynton Marsalis und dem Lincoln Center Jazz Orchestra transportiert die Spielfreude der Musiker, die sich gegenseitig anspornen und dem bekannten „Layla“ plötzlich neue Seiten abgewinnen. Pop von Prince, mit einer so realistisch gespielten E-Gitarre, dass man als Zuhörer zusammenzuckt. Dann das Zusammentreffen von Louis Armstrong und dem Oscar Peterson Trio. Man meint zu sehen, wie der legendäre Trompeter mit seinem ebenso berühmten weißen Einstecktuch sich den Schweiß von der Stirn tupft …

Die beiden Straight-Piano Virtuosen Dick Hyman und Bernd Lhotzky werfen sich gegenseitig die Ideen wie Bälle zu und schaffen es, dass der Blumenwalzer aus dem Nussknacker von Peter Ilyich Tchaikovsky tatsächlich „swingt“, und die bedrohliche Stimmung in Giacomo Puccinis „Tosca“ überträgt sich mühelos auf den Zuhörer, man ist sich gewahr, dass hier gleich etwas Schreckliches passieren wird…

Genug der Schwärmerei. Das ist Musikwiedergabe tatsächlich auf allerhöchstem Niveau und die Hailey 2.2. gehört ohne Zweifel zum Besten, was der Weltmarkt zu bieten hat. Ohne Wenn und Aber. Allenfalls der Preis lässt einen kurz zusammenzucken. Aber in dieser Klasse um die 60.000,- Euro gibt es für YG Acoustics nicht viele echte Konkurrenten. Die sind alle in noch höheren Preisklassen angesiedelt und denen erwächst mit der Hailey 2.2. ein mehr als ernstzunehmender Gegner.

Wer sich in dieser Klasse für eine optimal zusammengestellte Anlage der absoluten Highend-Klasse interessiert, sollte mit Oliver Wittmann oder Markus Nolden einen Hörtermin vereinbaren und sich einfach überraschen lassen und ohne Übertreibung „Großes“ erwarten. Übrigens: Die Beiden demonstrieren gerne auch die „kleineren“ YG Acoustics-Lautsprecher wie z.B. die Carmel 2. In ihrer Klasse ebenfalls ein Ausnahmelautsprecher, den es zu entdecken gilt.

Mehr Informationen finden Sie hier:

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