Freitag, 8. Dezember 2017

Music Day November 2017 - Linn Klimax Exakt Katalyst System

Ein Beitrag von Rainer Götz

„Hoher Besuch“ aus dem Vereinigten Königreich diesmal beim Music Day bei Oliver Wittmann. Nein, keine Royals, aber einen der führenden Digitalentwickler weltweit, Gilad Tiefenbrun, seines Zeichens Geschäftsführer von Linn Products Ltd. aus Glasgow, zusammen mit dem Vertriebsrepräsentanten von Linn Deutschland, Thomas Saheicha. Die beiden Vorführungen waren bis auf den letzten Platz belegt, was ein reges Interesse an den Linn Digitalkomponenten widerspiegelt. Zumal – ausnahmsweise im Rahmen des Music Day – eine schriftliche Anmeldung über die Linn-Website notwendig war.

Gilad Tiefenbrun wollte das neue Katalyst-System, das seit exakt einem Jahr verfügbar ist und nach und nach wohl für alle Linn Digitalgeräte als Upgrade angeboten wird, im direkten Vergleich von zwei Netzwerkplayern demonstrieren. Einer mit Katalyst-Upgrade und einer ohne. Danach dann der Wechsel auf Linns Top-Anlage mit dem Linn Klimax Exakt 350.

Doch zunächst zur Anlage. Überraschenderweise standen zwei günstige Burmester B18 Lautsprecher und der bewährte Burmester Vollverstärker 032 zusammen mit den beiden Netzwerkplayern Klimax DS zunächst im Focus. Die Klimax DS wie erwähnt mit und ohne das neueste Katalyst-Update.

Ziel von Linn Products bei der Entwicklung aller seiner Digitalgeräte ist, so führte Gilad Tiefenbrun aus, dass möglichst keine Information verloren geht („no loss of information“). Auf dem Weg vom CD-Mastering oder der Herstellung der Pressmatrizen bei der Analogproduktion über die Pressung von CD oder LP gehen wichtige Musikinformationen unwiederbringlich verloren. Später beim Kunden passiert das Gleiche beim Abspielen von CD oder LP durch die hierfür notwendigen Phonovorverstärker, DA-Wandler, Vor- und Endstufen und letztlich die Lautsprecher mit ihren passiven Frequenzweichen.

Linn packt die Sache digital konsequent anders an: Ein Digitalsignal – gleichgültig ob von einem CD-Laufwerk, Download von HighRes-Daten aus dem Internet oder über TIDAL oder Qobus gestreamte Daten in mindestens 16 Bit/44,1 kHz Auflösung – wird vom Netzwerkplayer, z.B. Klimax DS, digital ausgegeben und ebenfalls auf digitalem Weg – also ohne vorherige Rückwandlung in ein Analogsignal – einem Aktiv-Lautsprecher wie etwa dem Linn Klimax Exakt 350 übermittelt. Dort erfolgt dann direkt vor dem Lautsprecher die DA-Rückwandlung und Verstärkung. Jedes Lautsprecherchassis hat dabei seinen eigenen Digitalwandler und Endverstärker.

Doch zunächst zum Vergleich der Netzwerkplayer mit und ohne Katalyst-Update. Gilad Tiefenbrun spielt den hochaufgelösten Download „Jenny Wren“ aus Paul McCartneys „Best of“-Album „Pure McCartney“ an. Zunächst ohne, dann mit Update. Um es abzukürzen: Der Unterschied zugunsten des Klimax DS mit Update ist deutlich wahrnehmbar und in jedem Fall größer als die Klangdifferenz z.B. durch zwei unterschiedliche NF- oder Lautsprecherkabel. Wir sprechen hier von Klangdifferenzen auf einem sehr hohen Niveau. Auch McCartneys akustische Gitarre klingt lebensechter und plastischer mit Update.

Dann zu den Doors: „Riders on the storm“ aus dem Album „L.A. Woman“. Angespielt wird nur der bekannte Anfang mit dem aufkommenden Gewitter und dem Regen. Letzterer klingt mit Katalyst-Upgrade deutlich lebendiger, ja fast greifbar, und man ist versucht, sich umzusehen, ob es nicht doch irgendwo reinregnet. Allen Klimax DS- und Klimax DSM-Kunden kann also nur zu dem Upgrade geraten werden. Für weitere Linn-Digitalgeräte werden künftig ebenfalls Katalyst-Upgrades offeriert.

Lothar Brand hat in „Audio“ den Klimax DS mit dem damals brandneuen Katalyst-Upgrade sehr treffend beschrieben: „ … und das ist einfach atemberaubend. Egal, welche Auflösung dieser Streamer verarbeitete: Ich hatte immer das Gefühl, dass es besser nicht geht. Der Klimax DS thront über seiner Klasse. Er ist der Souverän.“ Im Schwäbischen sagt man in solchen Fällen knapp und trocken „älles gschwätzt“.

Und jetzt der Sprung von der Burmester-Anlage auf die voll-digitale Linn-Kette. Hier wird Gilad Tiefenbruns „no loss“-Konzept konsequent umgesetzt. Der Katalyst DS spielt, über ein schlichtes Netzwerkkabel verbunden, das Digitalsignal vom Klimax DS zu. Die Verarbeitung erfolgt im Linn Klimax Exakt 350, einem 6-Wege-Vollaktiv-Lautsprecher mit insgesamt 3.000 Watt Leistung. Sechs DA-Wandler, sechs Verstärker mit 2 x 100 Watt, 2 x 400 Watt und 2 x 1.000 Watt pro Kanal. Dank der Linn Space-Optimisation kann eine exakte elektronische Anpassung an den Wohnraum erfolgen.

Die optisch gar nicht so wuchtig wirkende Standbox ist mit zwei 10-Zoll-Basslautsprechern pro Box bestückt. Ein hoch belastbarer Tiefmitteltöner und das Linn-typische Ensemble aus Mittel-, Mittelhoch- und Hochtonkalotte komplettiert die Fünfwege-Konstruktion. Oliver Wittmann zieht für die Klimax Exakt 350 folgendes Fazit: „Das Linn Klimax System Katalyst spielt ganz, ganz oben mit und muss sich vor keiner anderen, noch so aufwändigen High-End Kombination verstecken.“

Aber jetzt: Musik! Mister Tiefenbrun jun. (Sohn des legendären Linn-Gründers, LP 12-Entwicklers und Analog-Gurus Ivor Tiefenbrun) startet wieder mit Paul McCartney und dem Titel „Jenny Wren“. Über den Sprung vom Klimax DS mit Katalyst-Upgrade und Burmester-Verstärkung bzw. Lautsprecher zur Linn Klimax Exakt 350 müssen wir nicht reden, der ist „ohrenfällig“, wobei sich die bezahlbare Burmester-Kette erstaunlich gut geschlagen hat. Bei der Klimax Exakt 350 reden wir schließlich um einen Aktivlautsprecher der 60.000-Euro-Klasse, eine Summe, die aber angesichts der eingebauten Verstärker und DA-Wandler überaus gerechtfertigt erscheint.

„Macka“ steht voll präsent im Raum, Griffgeräusche sind hörbar, das Timbre seiner typischen Stimme kommt voll zur Geltung. Ein Erlebnis. Das gleiche bei den Doors. Frontmann Jim Morrison prägt diese Aufnahme und scheint „eben mal“ aus dem Orkus für ein Gastspiel in Oliver Wittmanns Studio zurückgekehrt zu sein. Dann wird es klassisch: Die aus Argentinien stammende Pianistin Ingrid Fliter spielt Chopin. Zusammen mit dem Scottish Chamber Orchestra. Ein HighRes-Master von Linn Records mit 24 Bit Wortbreite und einer Abtastfrequenz von 192 kHz. Wie oft bei Chopin: Emotion pur. Der Flügel ist plastisch in das Orchester integriert, ohne dort unterzugehen. Auf diesem Niveau macht selbst „Klassik-Muffeln“ ernste Musik Spaß.

Zum Abschluss gab es noch einen bewegenden Tribut an den großen, am 7. November 2016 verstorbenen kanadischen Poeten und Singer/Songwriter Leonard Cohen. Dessen letzte Aufnahmesession wurde unter dem Titel „You want it darker“ veröffentlicht. Nun, das ganze Album dreht sich um Gott und Tod, ist aber, wie immer bei Cohen, mit Humor und Sarkasmus durchsetzt. Der gespielte Titel „Leaving the Table“ ist ein gutes Beispiel dafür. Vieles erinnert an die letzten „American Recordings“ von Johnny Cash. Ein wahrlich bewegendes Stück am Ende der Vorführung. Aber dafür sind HiFi- oder Highend-Anlagen da: Emotionen zu wecken, Gefühle aufzuwühlen, den Zuhörer zu packen und zu bewegen.

Wer am Music Day vom 30.11.2017 einen Platz in einer der beiden Vorführungen ergattern konnte, hatte die Chance, ein Stück Zukunft in Sachen Musikwiedergabe zu hören. Konsequenter Verzicht auf alle „lossy parts“ bei der Wiedergabe. Die Linn-Anlage zeigte, wohin die Entwicklung gehen wird. Linn in Glasgow ist mit Sicherheit auf dem richtigen Weg.

Interesse? Dann vereinbaren Sie mit Oliver Wittmann oder Markus Nolden eine Privatvorführung. Bringen Sie Ihre eigenen Platten oder CDs mit und staunen Sie, was in Ihren Aufnahmen steckt.

Mehr Informationen finden Sie hier:

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