Mittwoch, 5. Oktober 2016

Music Day September 2016 - Focal und T+A R 2000-Serie

Ein Beitrag von Rainer Götz

Am 29.09.2016 war es wieder soweit. Nach der Sommerpause luden Oliver Wittmann und Markus Nolden wieder zum Music Day. Akteure waren diesmal das neue und größte Modell aus der Sopra-Serie von Focal, die Sopra Nr. 3, und aus der R-2000-Serie von T+A der Vollverstärker PA 2000 R und der Netzwerk-Client MP 2000 R Mk II. Bei der Stromversorgung und den Kabeln wurde auf die bewährte Kombination von Audioplan und Ringmat zurückgegriffen.

Beim Music Day im Mai 2016 wurde die Focal Sopra 2 bereits vorgestellt und an dieser Stelle auch ausführlich beschrieben. Die Sopra 3 ist im Prinzip der gleiche Lautsprecher, nur größer mit 60 Prozent mehr Volumen und zwei 21 cm-Basslautsprechern anstelle der 18-cm-Woofer der Sopra Nr. 2 (und mit einem UVP von 18.000 Euro/Paar leider auch 6.000 Euro teurer). Ich erspare mir hier nochmals die Beschreibung und verweise auf die Focal Website (http://www.focal.com/de/sopra/605-sopra-n3.html) und einen ersten Testbericht der Zeitschrift STEREO unter http://www.music-line.biz/cms/fileadmin/focal/tests/test_sopra3_stereo.pdf.

Dem euphorischen Urteil der STEREO-Redaktion ist nichts hinzuzufügen. Der Lautsprecher ist in schwarz, rot, orange und weiß lieferbar. Bei Oliver Wittmann spielte die Ausführung in Lack weiß, die den Lautsprecher optisch etwas kleiner erscheinen ließ, als er de facto physisch ist.

Ganz neu im Vertriebsprogramm von Oliver Wittmann sind die Komponenten von T+A. Diese zwei Buchstaben stehen beim westfälischen Hersteller für Technik und Anwendung. Anglophone Journalisten machen über diesen Namen ihre Scherze, weil in den USA und Großbritannien dieses Kürzel für eine bestimmte Art von Presseerzeugnissen steht, das in Tankstellen in der Regel im obersten Regal – sicher vor dem Zugriff von Jugendlichen – gezeigt wird. Vornehm ausgedrückt spricht man bei T+A in diesen Ländern von „Brüsten und Hintern“. Die rüde Rückübersetzung ins Englische überlasse ich dem Leser.

Gut bestückt waren die am 29.09. aufspielenden Geräte allerdings: Der elegante Vollverstärker aus der R 2000-Serie, der sich optisch gelungen an das von Dieter Rams für die Braun AG in Frankfurt entwickelte Design anlehnt, hat eine Sinus-Ausgangsleitung von 2 x 200 Watt und ist damit in der Lage, auch schwierigere Lautsprecher anzutreiben. Ein Phonomodul für MM-/MC-Systeme ist als Einschub für Vinyl-Liebhaber lieferbar. Besonderheit ist außerdem eine, natürlich abschaltbare, Klangregelung für nicht-perfekte Aufnahmen. Wer z.B. mit alten Rockplatten aus den 70ern umgeht, weiß dieses Merkmal zu schätzen.

Im gleichen Design liefert T+A so etwas wie eine „digitale eierlegende Wollmilchsau“. Netzwerk-Klient ist eigentlich eine stark untertriebene Bezeichnung dafür. Der MP 2000 R MKII ist ein vollwertiger Streamer (derzeit ist der Zugriff auf TIDAL fest installiert, Deezer und qobuz folgen im Rahmen eines Software-Updates demnächst). Der Empfang von DAB+, Internet-Radio und klassischem UKW-Rundfunk ist ebenfalls implementiert, enemso ein stabiles CD-Laufwerk. Krönung ist einer der aufwändigsten Digital-Analog-Wandler weltweit, der nicht nur PCM-Signale bis 384 kSps sondern auch DSP-Files bis zu einer Abtastrate von DSP 512 verarbeiten kann. Ach ja, Zuspielungen z.B. vom iPhone via Bluetooth sind ebenfalls möglich.

Wer sich über die Technik weiter informieren will, hier die Links – auch zu Testberichten:
Aber schöne Gehäuse und innovative Technik sind die eine Sache, der Klang die andere. Wie also spielte diese Anlage? Wir fingen mit einer Aufnahme vom 16. Oktober 1957 an: Unter dem Titel „Coleman Hawkins encounters Ben Webster“ nahmen die beiden Tenorsaxofonisten diese Platte auf. Von etwas Bandrauschen abgesehen, klingt diese Aufnahme frisch, und die Anlage beweist ihre Qualitäten bei der räumlichen Abbildung der Instrumente. Das Piano von Oscar Peterson steht plastisch links im Hintergrund, vorne scharrt Herb Ellis auf der E-Gitarre und Webster und Hawkins sind, voneinander getrennt, gut wahrnehmbar, also kein „Klangbrei“.

Klassik: Die Turangalila-Symphonie von Oliver Messiaen ist gewiss keine einfache Kost. Sowohl für die Anlage wie auch für die Zuhörer. Die T+A/Focal-Kombination stellte die Dynamik-Sprünge dieser Sinfonie klar dar und löste die einzelnen Instrumente hervorragend auf. Das gleiche beim berühmten Adagietto, also dem 4. Satz der Sinfonie Nr. 5 von Gustav Mahler. Dann Vinyl: Das Trio von Carla Bley, Andy Sheppard und Steve Swallow mit ihrer aktuellen Einspielung „Andando el Tiempo“ für ECM. Man vergisst nach einigen Minuten alle HiFi-Kriterien und hört nur noch der Musik zu: Andy Sheppards wunderbares Tenor- bzw. Sopransaxofon, der volle und präzise Bass von Steve Swallow und der Flügel von Carla Bley - eine Sternstunde.

Es folgte eine Aufnahme nach der anderen: Ein direkter Vergleich von drei legendären Einspielungen des Casse-Noisette-Marsches aus Tschaikowskis Nussknacker unter dem Dirigat von Antal Dorati, Ernest Ansermet und Fritz Reiner. Die Verstärker-/Lautsprecher-Kombination war in der Lage, die innere Dynamik der drei Aufnahmen ganz hervorragend herauszuarbeiten.

Dies gilt auch für die ECM-CD mit dem Geburtstagskonzert aus dem Stuttgarter Theaterhaus von März 2005 mit Eberhard Weber zusammen mit dem SWR-Sinfonieorchester und Solisten wie Jan Garbarek, Gary Burton und Rainer Brünninghaus. Traurig, dass wir seit dem Schlaganfall von Eberhard Weber einen solchen Fretless-Bass nicht mehr live hören können. Die CD tröstet zumindest etwas darüber hinweg.

Weiter über Ligeti zu Gesualdo, dann zur letzten Aufnahme des Pianisten Masabumi Kikuchi: Entschleunigung par excellence. Noch nie habe ich „Black Orpheus“ so langsam gespielt gehört. Diese von Jan Erik Konghaus abgemischte Live-Aufnahme aus der Tokyo Bunka Kaikon Recital Hall überzeugt musikalisch und technisch.

Egal ob Blues, Rock, Jazz oder Klassik: Die Kombination der R 2000-Serie von T+A und der Focal Sopra Nr. 3 zeigt ihre Qualitäten in jeder Hinsicht. Wer einen DA-Wandler/Streamer/CD-Spieler, einen audiophilen Vollverstärker oder ein Paar Lautsprecher der gehobenen Klasse sucht, sollte sich diese Kombination unbedingt anhören. Vereinbaren Sie mit Oliver Wittmann oder Markus Nolden einen Hörtermin. Sie werden es nicht bereuen.

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